Vergangenheit und Zukunft

Persönliche Gedanken

Zu den Schwerpunkten meiner Themen im theoretischen Unterricht für meine Schüler und vor allem im Gespräch mit ihnen, versuche ich stets, ihnen auch die Wichtigkeit von Wertung und Planung im Leben zu vermitteln. Die Jahreszeit und die vorliegende Ausgabe der KAMPFKUNST von Januar 2002 bieten sich hierfür geradezu an! Ich bin froh, nicht nur für meine Schüler, sondern für jeden interessierten Leser zum Anfang des Jahres mit einem passenden Thema beginnen zu können:

Jetzt ist das Jahr 2001 Vergangenheit. Das Gute, das Schlechte, die Fehler, der Ärger! All diese Dinge sind geschehen. Viele unserer Mitmenschen sitzen jetzt in ihrem stillen Kämmerlein und machen sich Vorwürfe. Sie denken über ihr Leben nach und wie man dieses oder jenes hätte anders machen können. Das schlechte Gewissen leistet sozusagen Akkordarbeit:

  • Hätte ich doch bloß in der Schule besser zugehört.
  • Warum habe ich mit meiner Kampfkunst nicht früher begonnen, sondern so viel Zeit mit Dingen verschwendet, die ich heute als nutzlos ansehe?
  • Warum habe ich zwischendurch so lange Pausen in meinem Training gemacht?
  • Warum habe ich nicht einen anderen Berufsweg gewählt?
  • Warum habe ich nicht mehr Geld an die Seite gelegt?
  • Hat uns das Schicksal böse Überraschungen bereitet, so sagen wir gerne: „Wenn die Ampel rot gewesen wäre statt grün“ oder: „Wäre ich nicht fünf Minuten vom Nachbarn aufgehalten worden, hätte ich keinen Unfall gehabt“.
  • Warum habe ich unüberlegt etwas gesagt oder getan, was ich nachher bereut habe?

So oder ähnlich sehen die Gedanken vieler unserer Zeitgenossen aus. Aber die Zeit geht weiter. Sie besteht aus Vergangenheit und Zukunft!

Es gibt nichts auf dieser Erde was für immer hält! Nichts was unvergänglich wäre!

Der Strom der Zeit nimmt alles mit sich. Schon Urzeiten hat diese Erde vergehen gesehen. Antike, frühes und spätes Mittelalter haben etliche Menschengenerationen hervorgebracht und hinter sich gelassen.

Betrachten wir die Zeit als Ganzes:

  • Denken wir doch mal nur an die „letzten Sekunden“ des Technologie-Zeitalters, die Anfänge der Computergeneration! Rechner haben noch bis vor kurzem ganze Hallen und Räume ausgefüllt. Dann wurden sie Schlag auf Schlag kleiner und geflügelte Wort wie „Pentium 1“ dann 2 usw. sind uns allen noch ein Begriff. Wer weiß, wohin uns die Entwicklung führt?
  • Handys waren groß und teuer. Wer zu den Anfängen unserer Medientechnologie ein Handy oder Autotelefon besaß, war entweder Angehöriger der oberen Zehntausend, oder galt zumindest als „cool“ und reich. Heute besitzen mehr als 90 Prozent der Bevölkerung in England, Amerika, Hong Kong ein Handy. In Deutschland bekommt man schon lange das eine oder andere Vertragsangebot mit einem Handy für null Mark.
  • Thema Auto: Mittlerweile nicht nur des Deutschen liebstes Kind! Wie viele Zeitgenossen gibt es, die ein neues Auto fahren und bereit sind, sofort jeden Menschen „platt zu machen“, der seinem Schmuckstück zu nahe kommt, oder sogar wagt, dieses zu berühren? Sogar eigene Familienmitglieder können dieses eifersüchtige Besitzstandsdenken zu spüren bekommen! Ist das nicht traurig? Umso nachdenklicher sollte uns folgende Tatsache stimmen: Schon nach kurzer Zeit im Besitz unseres heißersehnten Traumes, beginnt man, das Auto zu vernachlässigen. Es wird nicht mehr so oft gewaschen und den kleinen Kratzer bemerkt man nicht mehr. Im Durchschnitt wird ein Auto, hat es ein Alter von 15 oder 20 Jahren erreicht, so oder so verschrottet. Autos von damals waren reine Spritschleudern. Ihre Unterhaltung wurde für uns immer teurer und heute kosten sie auch noch Geld, wenn man sie los werden muss. Hätte man, schon als das Auto noch neu war verstanden, dass alles vergänglich ist, so hätte man sich manchen seelischen Ärger erspart.

Dies alles bedeutet nicht, dass man nicht stolz auf seine Sachen sein sollte, nur weil sie ja doch irgendwann veralten. Wir müssen lernen loslassen zu können. Wer nur krampfhaft an der Vergangenheit festhält, aus Angst irgendetwas zu verlieren, der wird es verlieren. Wer versteht, dass alles vergänglich ist (auch ein Menschenleben), der kann den jetzigen Moment konzentrierter und intensiver durchleben und vor allem: Er kann seine vor ihm liegende Zeit, den vor ihm liegenden Lebensabschnitt besser und leichter planen, gestalten und genießen. Kurz: Er hat ein leichteres Leben vor sich.

Unterstellen wir mal einem Sifu, Meister oder Lehrer, dass er stets bemüht war, Gutes zu tun, das Richtige zu erkennen und entsprechend zu handeln, so dass er auch rückblickend noch sagen kann, dass er immer glaubte für sich die richtige Entscheidung in dem damaligen Augenblick getroffen zu haben. Dennoch wird auch er unausweichlich seine Fehler gemacht haben. Auch er ist nur ein Mensch. Jedoch er ist auch herangereift und weiser geworden. Heute findet er die Dinge, die er als Achtzehnjähriger gemacht hat eventuell lächerlich.

Wer seine vergangenen Fehler nicht erkennt und einsieht, löst dadurch nur noch weitere Fehler aus. Das bedeutet, dass wir nicht weiterhin krankhaft an unseren (egoistischen) Standpunkten festhalten und sagen:„Ich bin so wie ich bin und alle müssen mich so akzeptieren!“ Wir müssen verstehen, dass wir im jetzigen Moment von vergangenen Fehlern lernen müssen, um uns in Zukunft ändern zu können.