KK: „Sehr geehrter Sifu. Zum Schluss brennt uns noch eine Frage unter den Nägeln. Hinter den Leitworten „Hart – Weich – Toleranz“ scheint sich eine besondere Philosophie zu verbergen. Was wollen Sie hiermit zum Ausdruck bringen?“

SJJ: „Sie haben vielleicht schon dieses Zitat gehört, welches in einem sehr alten Buch geschrieben steht: Es gibt im Leben immer eine Zeit des Lachens und des Weinens, eine Zeit zu leben und eine Zeit zu sterben usw.

Es gibt in unserem WT Rifo die Begriffe hart, weich und Toleranz. Sowohl in der Kampfkunst wie auch im täglichen Leben gibt es Zeitabschnitte, in denen wir nicht nachgeben können und hart bleiben müssen und es gibt Augenblicke in welchen wir gut beraten sind, weich zu sein.

Im WingTschun geht es um die hohe Kunst, unsere jeweilige Lebenslage zu erkennen und zu wissen, ob wir hart oder weich sein müssen. Nur zu oft erkennen wir nicht schnell genug welche Reaktion jetzt gerade richtig ist.

Die Lösung dafür ist so genial wie einfach: Sowohl „hart“ als auch „weich“ sind jeweils ein Teil des anderen und gleichzeitig ergänzen sie einander. Beide aber können nicht leben ohne das Bindeglied, welches sie zusammenhält: - Die Toleranz. Die Toleranz ist das wichtigste.

Betrachten wir das Schriftzeichen für Toleranz, so erkennen wir im oberen Teil des Zeichens XX einen Dolch. Dies ist das Symbol für ein „Messer“. Darunter sehen wir den chinesischen Schriftzug für „Herz“.

Speziell in unserem WT Rifo-Denken erklären wir unseren Schülern: Es ist schon nahezu zur gesellschaftlichen Norm geworden, dass der Mensch durch offensichtliche Intoleranz versucht das Herz (eines Anderen) zu zerstören. Was er aber nicht weiß ist, dass gerade er durch seine Intoleranz sich den Dolch direkt in das eigene Herz stößt und damit nur sein eigenes Leben vernichtet, was er doch eigentlich bei dem anderen erreichen wollte.

KK: „Wollen Sie diesen Begriff der Intoleranz ausschließlich auf den Rassismus bezogen wissen?“

SJJ: „Nein, bloß nicht! Gerade innerhalb der Rassen ist das intolerante Verhalten unabhängig von Farbe, Herkunft oder Nationalität ein zutiefst zwischenmenschliches Problem. Und dieses Verhalten grassiert gerade in Bereichen wie Partnerschaft, Familie und Arbeitsplatz (mobbing). In nahezu allen Sparten kann ich immer einen Grund finden, intolerant zu sein. Sei es, dass ich keine Brillenträger mag, ob ich keine Dicken oder Dünnen ausstehen kann, oder dass ich keine Menschen mit dunkler Hautfarbe oder hellen Haaren ertragen kann.

Was immer es auch sei: Sowohl im Umgang mit dem Anderen als auch mit uns selbst wären wir in der Lage, die Welt und unsere Kampfkunst ein ganzes Stück weit zu verbessern.

KK: „Herzlichen Dank Sifu Jimmy Jemirifo. Sie haben uns einen interessanten Einblick in Ihre WingTschun Rifo Kampfkunst und Philosophie gegeben. Wir wünschen Ihnen weiterhin alles Gute.“

SJJ: “You `re welcome.“