Ein guter Freund, egal ob Schüler oder Lehrer stellt eine harte, interessante und zutiefst menschliche Aufgabe dar.

Der wahre Freund

  • selbst, wenn er nicht da ist, er käme sofort
  • er könnte unsere Zeit über die Gebühr nutzen, aber er tut es nicht; sollte er es dennoch tun, so bräuchte er uns wirklich.
  • er gibt gerne, ohne eine Gegenleistung zu erwarten
  • er krempelt nicht deine Persönlichkeit um, nur um sein Ego aufzubauen
  • hört er schlechte Gerüchte über dich, so wird er dich nach außen in Schutz nehmen. Zum passenden Zeitpunkt wird er dir seine Meinung mitteilen.
  • gehst du einer geschäftlichen Aufgabe oder irgendeiner (verrückten) Idee nach, so wird er dir nicht nach dem Mund reden. (Spieglein, Spieglein an der Wand!).
  • der Meister, der deine Techniken kritisiert, ist dein Freund. Wäre er es nicht, so würdest du lebenslang mit deinen Fehlern herumlaufen


Wären wir in der Lage, tatsächlich zu geben, ohne nach der Gegenleistung zu fragen, so könnten wir auch als Kampfsportler/Kampfkünstler den freundschaftlichen Umgang miteinander ein wenig verbessern. Denn je mehr wir ohne eine gewisse Erwartungshaltung geben, um so mehr werden wir bekommen.

Freundschaft ist darüberhinaus unabhängig von Zeit und Raum. Wenn sie durch oberflächliche Dinge verändert, beendet oder irgendwie beeinflussbar wäre, so kann es sich nicht um wahre Freundschaft gehandelt haben.

Folgendes Erlebnis, das ich vor einiger Zeit hatte, mag dies verdeutlichen:

Ein guter Freund und Schüler rief mich kurz vor Mitternacht an. Obwohl er wusste, dass ich am nächsten Tag vor einer großen Aufgabe und einer längeren Reise stand, teilte er mir kurz und knapp mit, dass er eine Panne in Holland habe, kein weiteres Geld für Übernachtung, Essen oder Telefon besitze und fragte, ob ich ihn nicht abholen könne, weil er in einer großen privaten Notlage stecke. Nachdem ich spontan und fast panikartig geantwortet hatte, wo ich ihn dort finden würde, sagte er lächelnd, dass er nur meine Bereitschaft zur freundschaftlichen Hilfe testen wollte. Er saß gerade in einer tiefen depressiven Phase und hatte einige angebliche Freunde angerufen, die aber alle kein Benzin, keine Zeit, Probleme mit der Familie oder einfach keine Lust hatten, etwas zu unternehmen.

Natürlich habe ich ihn später wegen seiner Frechheit ausgeschimpft. Im Nachhinein gestehe ich, dass er irgendwie einen interessanten, wenn auch frivolen Weg gefunden hatte, meine Hilfsbereitschaft auf die Probe zu stellen. Auch war ich froh, seinen Test bestanden zu haben.

Jedenfalls wollte mein Schüler sicher sein, wer ihm in seiner Situation freundschaftlich zur Seite stand und wer nicht. Er brachte auf den Punkt, wie das Thema Freundschaft, Vertrauen und Hilfsbereitschaft grundsätzlich zu betrachten sind. Meinen Schülern und Allen, die dieses Thema für Wert erachten, gebe ich daher gerne folgende Worte mit auf den Weg:

In schweren Zeiten kann dein bester Freund der schlimmste Feind, aber dein schlimmster Feind kann auch dein bester Freund sein! Suche also deine Freunde mit großer Vorsicht aus! Nennst du dich aber selbst ein Freund, dann sei bereit, jederzeit dafür gerade zu stehen!

Meister Sifu Jimmy Jemirifo