Kein Mensch lebt isoliert auf einer Insel.

Genau wie die Fische den Ozean brauchen, so ist der Ozean auf die Fische angewiesen. Versucht man durch das Leben zu gehen, ohne diese Tatsache zu berücksichtigen, so wird man Vieles nicht erkennen. Ohne zu Erkenntnissen zu gelangen würde der Mensch unweigerlich verbittern, ein unerfülltes Leben wäre die Folge.

Was macht einen wahren Freund aus? Jemand, der dich nur beschenkt und nach deinem Mund redet? – Nein!

Wie oft ist es passiert, dass man von seinem Freund, Trainer oder Schüler, für den man so viel gegeben oder getan hat, gerade in dem Augenblick allein gelassen wurde, als man ihn und seine Hilfe brauchte? – Leider zu oft!

Das Erste, was wir hieraus lernen können ist, dass man einen wahren Freund nur dann findet, wenn man Hilfe braucht und nicht, wenn wir gerade im Erfolg schwimmen.

Wenn wir uns die erfolgreichen Menschen ansehen, so fällt uns – häufig unbewusst - auf, dass sie stets etwas besitzen, woran viele Menschen selber teilhaben wollen. Sie gehören oft zu den Reichen oder Schönen, sie besitzen Macht, oder besetzen wichtige Schlüsselpositionen.

Häufig verunsichert sie dies so sehr, dass sie entweder Angst davor haben, oder nicht in der Lage sind, zu unterscheiden, wer ihr Freund oder Feind ist.

Bewusst oder unbewusst stellen sie sich immer wieder diese Frage: Wäre ich nicht ein Teil der angeführten Gesellschaftsschicht oder des Kreises, wären dann meine Freunde noch da?

Das Band unter den Menschen, welches sich Freundschaft nennt, diese emotionale seelische Bindung, kann nicht von Geld oder irgendwelchen wirtschaftlichen Erwägungen abhängig sein. Sie muss über alle materiellen Abhängigkeiten erhaben sein und in jeder anderen Situation Bestand haben. Was wäre sonst mit jenen Personen, die nicht erfolgreich, schön oder mächtig sind? Wären sie von diesem Glück des Menschseins ausgeschlossen?

Man kann schon fast eine Regel davon ableiten, dass der Mensch der Wohlstandsgesellschaft kaum noch in der Lage ist zu erkennen, wer Freund oder Feind ist und immer weniger dazu neigt, für eine Freundschaft selber entsprechende Opfer zu bringen.

Natürlich muss es unter Freunden nicht sein, dass man ewig aufeinander hockt, nur um zu beweisen, dass man gut befreundet ist. Wahre Freundschaft fühlt man und lebt sich von selbst. Man spürt es allein schon an dem Gefühl der Freude, wenn man sich sieht oder besucht wird, falls man krank und einsam ist.

Handelt es sich aber noch um Freundschaft, wenn man das ganze Jahr nicht aneinander denkt und am Jahresende beschämt in den Kalender schaut, weil man die Festtagsgrüße oder die Geburtstagskarte vergessen hat.

Noch peinlicher: Man hat eine Weihnachtskarte bekommen und muss auf den letzten Drücker noch zur Post, um schnell noch einen „lieben“ Brief aufzugeben, damit dieser pünktlich ankommt.

Natürlich muss es auch zwischen dem Sifu und seinem Schüler, oder Trainer und seinem Schüler die Basis einer Freundschaft geben. Ohne diese kann es einen Fortschritt im Training, erst recht in jenem der Kampfkünste, nicht geben. Zumindest der gegenseitige Respekt muss da sein.

Der Schüler braucht nicht einfach nur einen Mentor, sondern eine Person seines Vertrauens. Besser noch einen Freund, dem alles gesagt sein kann und unter Umständen auch persönliche Probleme mitgeteilt werden können.