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Teil 1

Neid und Missgunst
Warum sind wir nicht in der Lage, unserem Mitmenschen etwas zu gönnen?Woher kommen Missgunst und Neid? Wie entstehen sie eigentlich?
bild1 Die Erfolgreichen und Schönen, die Reichen und Dynamischen sind die Spiegelbilder, die uns vorgesetzt werden und in denen wir uns selber gern erkennen würden. Weil der Andere etwas ist oder hat, das ich aber nicht bin oder besitze, setzt schon hier der Anspruch und der Wunsch nach etwas ein, was zunächst unerfüllbar und unerreichbar scheint. Je weiter entfernt sich unser Wunschtraum oder Idealbild darstellt, desto größer fällt der Neid aus, wenn sich die Erkenntnis durchsetzt, dass unser Ziel anscheinend nicht zu verwirklichen ist.

Verspüren wir darüber hinaus, dass uns die Erfüllung unserer Träume aktiv verweigert wird, weil eine Person, die uns nahe steht, diese verweigert, dann ist sogar der Weg zum Hass nicht mehr weit.

Wir sind voll und ganz auf das Nehmen fixiert, achten auf den eigenen Status und das eigene Ansehen. Unser Denken wirkt geradezu grotesk: Der Rasen ist immer nur bei dem Nachbarn grün! Wenn wir nicht zufällig irgendwann mal drüben bei ihm zu Besuch wären, würden wir nie erkennen, dass auch unser eigener Garten von drüben gesehen wunderschön ist. Eigentlich könnten wir daraus lernen, mit uns zufrieden zu sein und gar nicht erst Gefahr laufen, neidisch zu werden. Stattdessen verfallen wir immer wieder in unser gewohntes Neiddenken und vergiften damit uns und unser Vorwärtsdenken.

Kennen wir das nicht? – Das Sprichwort, dass man seinen Mitmenschen nie sagen sollte, dass es einem schlecht geht. Wie oft werden wir gefragt, wie es uns geht und wir rattern die Floskel herunter: „Danke gut!“

Kann es sein, dass auch diese schlechten Eigenschaften des Menschen aus dem Herdentrieb und dem bequemen Massendenken entstehen?

Kann es sein, dass der Mensch und sein Denken von dem Einfluss geprägt werden, dem er immer wieder Tag für Tag ausgesetzt ist?

Meinungsmacher und Massenmedien hämmern unentwegt wie ein andauerndes Trommelfeuer auf das Unterbewusstsein des Menschen ein. Unbewusst entwickelt er daraus ein Status Quo Denken, dem er sein ganzes Leben unterordnet. Immer wieder erklären uns die Meinungsmacher und Mediengurus, dass nur der Erfolgreiche zählt. Automatisch und unbemerkt entwickelt sich in jedem von uns ein Wunschdenken und spezielles Verlangen danach, wie man gern gesehen werden möchte.

Diejenigen Menschen aber, welche durch mangelndes Selbstbewusstsein oder andererseits durch ein übergroßes Egodenken nach Anerkennung streben, welche ihnen aber permanent versagt bleibt, diese Menschen sind es, die nur zu leicht in Missgunst und Neid verfallen.

Teil 2

Neid und Missgunst

Ähnliche Beispiele:

Ein Sprichwort sagt: Neid sei das schönste Kompliment. Das kann nur ein oberflächlicher Spruch sein. Für mich bedeutet Missgunst und Neid eher den charakterlichen Gegensatz zu persönlicher Stärke. Menschen, welche diese Eigenschaften besitzen, verfügen über eine schwache Persönlichkeit und haben kein Selbstvertrauen.

Ein wenig mehr charakterliche Festigkeit und gesundes Selbstbewusstsein, und die Menschen könnten erkennen, dass ein Mensch, der etwas ist, nicht irgendwelche verkrampften Aktionen starten muss, nur um vorzutäuschen, etwas zu sein.

Auch wir Kampfkünstler können uns nicht von diesem Ungeist lossprechen!

Immer wieder ist beispielsweise zu beobachten, wie gleichwertige Kampfkünstler gemeinsam trainieren und jeder versucht dennoch, irgendein „Geheimnis“ für sich zu behalten. Oder der Partner wird auf irgendeinen seiner Fehler bewusst nicht aufmerksam gemacht.

Dieses „dem Anderen nichts geben wollen“ steht im krassen Widerspruch zu unserer WingTschun Rifo Philosophie. Denn oft wird eine Tatsache vergessen: Wenn unser Partner besser wird, so steigern auch wir uns und gewinnen in vieler Hinsicht hinzu!

Ein tolles Lehrvideo zum Selbststudium wir d nicht gezeigt. Der Partner          könnte ja eventuell übermäßig davon profitieren.

Ein Kampfkunstmeister oder das Mitglied eines fremden Verbandes darf      nicht beim eigenen Training anwesend sein oder zusehen, weil der Trainer ihm nicht gönnt,  irgendetwas Wichtiges „mitzunehmen“. Denn es könnte sein, dass der „Dieb“ mit diesen Informationen verschwindet, seinen eigenen Unterricht aufbaut und es damit vielleicht besser macht!

Ein guter Assistenztrainer oder Schüler wird ausgenutzt. Man versucht ihn zu umgehen. Er wird was Informationen angeht, bewusst im Dunkeln gehalten. Meister, die nur vorgeben am Erfolg ihrer Schüler ernsthaft interessiert zu sein, wissen nur zu gut, dass man Pilze züchtet indem man sie mit Feuchtigkeit und Mist versorgt.

Ein Abteilungsleiter versucht, seinen Untergebenen unten zu halten (mobbing), indem er keine Aufgaben mehr delegiert. Das alles aus Angst, dass sie perfekt erledigt werden könnten und seine eigenen Leistungen geringer erscheinen.

Die Chance, dass durch Lob und Aufmunterung eine qualitative Leistungssteigerung dabei herauskommt und der eigene Stuhl gefestigt und gesichert werden könnte wird aus Panik glatt übersehen.

Man beendet eine Beziehung und ist bereit, auf alles zu verzichten, aber sobald der oder die Verflossene einen neuen Partner kennen lernt, stellt sich die subjektive Welt auf den Kopf und man wünscht sich die alten und eigentlich so verhassten Zustände wieder her.

Meterhoch stapelt sich der unerwünschte Sperrmüll vor dem Haus und für seine Entsorgung müsste man sogar bezahlen! Kommt dann aber irgend ein armer Schlucker daher, der eine dieser Sachen an sich nehmen möchte, wird er als Dieb beschimpft und davongejagt.

Das sind die leider nur allzu menschlichen Schwächen und Fehler, wie sie in allen Lebensbereichen auftreten und auf welche ich unsere WingTschun Rifo Mitglieder immer wieder aufmerksam zu machen versuche.

Es ist die große menschliche Dummheit, dass man immer wieder dazu neigt, das Leben ausschließlich aus dem eigenen Blickwinkel und nie aus der Sicht des Anderen zu sehen. So gehört auch die Erkenntnis dazu, dass Neid stets auch Neid erzeugen kann. Missgunst steigert sich bis zur nicht begründbaren Verachtung.

„Triffst du mich so treffe ich dich. Legst du mich herein, so werde ich dich platt machen!“

Teil 3

Neid und Missgunst
Dabei vergessen die Menschen in der Kampfsituation, wie auch im täglichen Leben die Tatsache, dass derjenige, der gerade die Möglichkeit hat zu treffen, sehr oft in einer Position ist, in welcher er auch selbst getroffen werden kann. Auch die oberflächlichen Schimpfkanonaden über die Fremden, die dem Bürger im eigenen Land den „Job“ wegnehmen, passen in das gleiche Bild.

Abgesehen von der bekannten Tatsache, dass jeder Mensch im Ausland ein Ausländer ist, erscheint es fraglich, ob jeder Bürger auch jeden Job im eigenen Land annehmen würde.

Bleibt zu guter letzt die Frage über: Was kann man besser machen? Wie soll es sein?

Vereinfacht gesagt muss der Teufelskreis von fehlendem Selbstbewusstsein und Neid durchbrochen werden. Es geht darum zu erkennen, dass ohne die Zurücknahme des eigenen Ichs keine Stärkung des eigenen Selbstbewusst-seins erfolgen kann. Mit anderen Worten: Ein selbstbewusster Mensch muss nicht die verrücktesten Dinge tun, um etwas darzustellen. Noch genauer gesagt: Der Kampfkünstler, der seinem Trainingspartner Entfaltungsfreiheit gibt, indem er keine Geheimniskrämerei betreibt, wird sich dadurch verbessern, indem er seinem Partner den Fortschritt ermöglicht. Das Schwache wird am Starken wachsen. Das gemeinsame Wachstum ist also das Ziel. Wer stärkt, wird stark gemacht.

Die Gegenteile von Missgunst und Neid sind Geben und Dankbarkeit. Das eigentliche Erfolgserlebnis eines Trainers oder Lehrers ist es, seinen Schüler zum Erfolg zu führen oder seinen Fortschritt zu erkennen. Wer auf diese Weise gibt ohne zu viel zu erwarten, dem wird auch gegeben werden.

Vergiss nicht, dass Vieles, was Andere sind oder haben aus Äußerlichkeiten bestehen kann. Beneide niemanden um das, was er besitzt, sondern erkenne, wie hart er dafür gearbeitet hat.

Sei zufrieden mit dem, was dir gegeben ist. Schau nach innen und sei stolz auf das, was du bist. Verwende deine Energie auf deine Möglichkeiten.

* In vielen Situationen vergessen wir diese wechselseitige Abhängigkeit:
* Wer schlagen kann, kann auch geschlagen werden.
* Wer trickreich vorgehen kann, kann auch hereingelegt werden.
* Wer brutal vorgeht, kann selbst vernichtet werden.
* Aber wer nett ist, kann auch geliebt werden.
Die Menschen verstehen leider nicht, dass sie durch ihr Nichtgönnen und ihren Neid mehr verlieren als gewinnen, weil sie sich in einem ständigen Teufelskreis bewegen. Sie verstehen einfach nicht, dass sie, während sie anderen Leuten auf den Teller schauen selbst in der Gefahr schweben, um ihren Besitz erleichtert zu werden, weil ihnen ihr Gegenüber sich schon auf dem Sprung befindet, ihnen die eigene Hähnchenkeule vom Teller zu mopsen.

Weil man nur damit beschäftigt ist, den Anderen am Fortkommen zu hindern, wird man nicht zum eigenen Erfolg kommen. Benutzt man aber die gleiche Zeit und Energie, um sich allein um den Erfolg in seinem eigenen Leben zu kümmern, so wird die Zufriedenheit jedes einzelnen Menschen wachsen, und er wird gar nicht mehr die Zeit haben, sich Missgunst und Neid hinzugeben.

Es ist wichtig zu verstehen, dass dieses niedere Trachten nach unten führt und zur persönlichen Zerstörung führt. Und dies nur aus persönlicher Unsicherheit und fehlendem Selbstbewusstsein. Das mangelnde Selbstbewusstsein wird folglich einfach durch Missgunst und Neid ersetzt.

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